7. Kapitel
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--- März 766 ---
Vegeta hatte ein gnadenloses Trainingsprogramm absolviert und lag nun schweratmend am Boden des Gravitationsraumes. Mit geschlossenen Augen wartete er darauf, dass sich sein Atem wieder beruhigte und hing dabei düsteren Gedanken nach.
Ich habe es geschafft, dachte er und lächelte böse. Der elende Idiot Kakarotto ist nicht der einzige Super-Saiyajin! Diese lächerlichen Blechbüchsen sollen nur herkommen! Ich vernichte jeden, der versucht sich mir in den Weg zu stellen. Wenn ich erst diese Roboter verschrottet habe, werde ich mich endlich um Kakarotto kümmern können! Er lächelte zufrieden vor sich hin. Soll ich zuerst seine läppischen Freunde töten, fragte er sich. Vor seinen Augen natürlich, und den vorlauten Namek allen voran? Dann seinen kleinen Bastard? Plötzlich erstarb Vegetas höhnisches Lächeln. Seinen Bastard... meinen Bastard...
Nein! Daran darf ich nicht denken! Vegeta schüttelte seinen Kopf, so als ob er so seine Gedanken loswerden könnte. Seine Miene wurde finster. Diese dumme Menschenfrau! Es hätte alles schön und gut sein können, doch sie---! Er knurrte wütend. Trotz der Zeit, die inzwischen vergangen war, konnte er nicht ohne Wut daran denken. Vielleicht sollte ich sie doch töten, dachte er. Ich bin ein Saiyajin! Ich bin ein Krieger! Diese Frau hat den Prinzen der Saiyajin hintergangen! Er ballte seine Fäuste. Habe ich mir das etwa bieten zu lassen?!? Warum habe ich dieses Miststück eigentlich am Leben gelassen? Das war ein grosser Fehler... Ich tötete doch schon aus viel geringeren Anlässen - aus Langeweile oder für mein Vergnügen. Warum tat ich es bei ihr nicht?!?
Er sprang auf und zog seinen Brustpanzer wieder an. Dann verliess er den Gravitationsraum und machte sich entschlossen auf den Weg zu Bulmas Räumen. Er hatte einen Entschluss gefasst: Diese Menschenfrau, die seine Autorität untergraben und ihn hintergangen hatte, durfte nicht am Leben bleiben!
Ich bin ein Saiyajin, dachte Vegeta. Ich lebe nur für den Kampf. Ich habe kein Gewissen und kenne weder Mitleid noch Gnade. Er spie aus bei diesem Gedanken! Meine Gegner zittern, wenn sie meinen Namen hören und niemand - Niemand! - widersetzt sich mir! Niemand wagt es, mir zu widersprechen! Ich kenne keine Gefühle ausser Verachtung und Hohn. Ich lebe für den Kampf! Ich lebe für das Gefühl der Freude, wenn mein KI durch meinen Körper pulsiert und ich meine Faust in die Magengrube meines Gegner versenken kann. Ich lebe für die Schreie meiner geschlagenen Feinde, die sich vor meinen Füssen in Agonie winden!
Vegeta hielt vor Bulmas Zimmertür an. Niemand war ihm begegnet. Alle schliefen und wussten nichts von dem grausamen Entschluss ihres ausserirdischen Gastes. Wussten nichts davon, wie er ihnen ihre Gastfreundschaft zu vergelten gedachte.
Er öffnete leise die Tür. Noch hatte er sich nicht entschieden, wie er IHREM Leben das Ende bereiten würde. Sollte er sie im Schlaf töten? Oder sie wecken und dann langsam zu Tode quälen? Es war dunkel im Zimmer. Doch mit der traumwandlerischen Sicherheit eines Besuchers, der sich gut auskannte, fand er ohne Mühe den Weg zu ihrem Bett.
Mit unbeweglicher Miene blieb er vor ihrem Bett stehen. Er wagte nicht, nach ihrer Aura zu spüren, da er sonst auch die Aura seines ungeborenen Kindes gespürt hätte. Und das wollte er unbedingt vermeiden!
Ich wollte dieses Kind nicht, dachte er aufgebracht. Sie sind mir beide egal! Ich bin ein Saiyajin! Es zählen nur ich und der Kampf - und die Rache für begangenen Verrat! Langsam - fast widerwillig - hob er seinen Arm und richtete seine offene Handfläche auf die Frau, die - ahnungslos, in welcher Gefahr sie schwebte - friedlich schlief.
Seine Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit in diesem Zimmer gewöhnt und so konnte er im spärlichen Licht, dass durch die Ritzen des Rollladens ins Innere fiel, Bulmas Silhouette erkennen. Schweigend starrte er auf sie hinab. Energie floss langsam in seine Handfläche. Er genoss die Ruhe. Die Ruhe, bevor helle und tödliche Energie freigesetzt und ein Leben - Nein! Zwei - ausgelöscht wurden. Deutlich konnte er nun die Gestalt von Bulma unter dem leichten Bettlacken sehen. Bulma lag auf der Seite und hatte ihm ihren Rücken zugewandt, dennoch konnte er vor seinem geistigen Auge alles sehen, denn er kannte jede Kurve und jede Stelle dieses Körpers. Er folgte der Linie ihrer Schulter hinab zum Ellbogen und dort weiter zu ihrer Taille, dann bleib sein Blick an ihrem Bauch haften. Sofort wusste er, dass es ein Fehler gewesen war, Bulma zu betrachten, doch nun war es zu spät!
Fasziniert betrachtete er diesen hübschen runden Bauch. Er war schon sehr gross, oder bildete er sich das nur ein? Vegeta wusste nicht, wie lange die Schwangerschaft bei den Menschen dauerte. Es war knapp ein halbes Jahr vergangen, seit er und Bulma das letzte Mal miteinander gesprochen hatten. Gegen seinen Willen zog ihn dieser Bauch in seinen Bann.
Es ist nur ein Bauch, rief Vegeta eine finstere und kalte Stimme zu. Lass' Dich nicht ablenken! Töte dieses Weib, dass es gewagt hat, Deinen Samen zu stehlen! Sie darf nicht weiterleben! Du darfst nicht weiter leben mit dieser Schmach!
Vegeta zögerte, richtete seine Handfläche gegen Bulmas Kopf.
Ja, gut so, rief die Stimme. Töte sie endlich!
Doch plötzlich war da noch eine zweite, andere Stimme. Eine Stimme, sanft und warm.
Töte mich nicht, Vater. Töte uns nicht. Wir gehören doch zu Dir.
Vegeta erstarrte.
»Wer spricht da?«, fragte er atemlos.
Ich bin es. Dein Kind, sagte die zweite Stimme.
»Mein Kind?«
Nein! Hör' nicht hin! Töte die Frau endlich! Tu' es! Oder Du wirst es Dein Leben lang bereuen! Du bist ein Saiyajin: Du musst handeln wie ein Saiyajin!!
Nein Vater. Warum willst Du so etwas tun? Ich bin ein Teil von Dir. Willst Du mich wirklich töten? Komm', wag' es und fühle nach mir. Ich bin Dir ganz nahe. Öffne Deinen Geist!
»Nein! Das will ich nicht! Ich wollte DICH nicht!«, schrie Vegeta. »Lass' mich in Frieden!!«
Ja, richtig so! Töte die Frau und den Bastard! Zögere nicht länger - bring es endlich hinter Dich!
Die Stimmen gewannen an Intensität. Sie schienen den Raum immer mehr auszufüllen.
Nein, Vater! Tu' das nicht!
»Seid still! Seid beide still!« Vegeta hielt sich die Ohren zu und wandte sich von Bulma - und ihrem Bauch - ab. Mühsam schleppte er sich durch das Zimmer. Die Präsenz der Stimmen war erdrückend.
Du kannst Deine Ohren nicht vor der Wahrheit verschliessen, ebenso wenig Deine Augen - und Dein Herz, sagte das Kind.
»Nein! Sei still!«, keuchte Vegeta. Es schien nichts anderes als diese beiden Stimmen zu geben. Vegeta kämpfte sich weiter zur Tür.
Tu', was ein Saiyajin tun muss, Vegeta, sagte die düstere Stimme. Wende Dich nicht von Deiner wahren Natur ab!
»Haltet endlich die Klappe!!!«, schrie Vegeta und fiel auf die Knie. »Lasst mich in Ruhe!!« Er krümmte sich wie unter Schmerzen.
Ich bin Dein Gewissen, Vegeta, sagte die kalte Stimme.
Ich bin Dein Gewissen, Vegeta, sagte das Kind.
»Ich habe kein Gewissen!«, stöhnte er. Die Stimmen erdrücken ihn. Er rang nach Atem.
Oh, doch! Das hast Du... Die beiden Stimmen hatten sich zu einer einzigen vereinigt.
Vegeta spürte, wie er in einen Abgrund gedrängt wurde. Er schnappte nach Luft, doch da war nichts, das er atmen konnte. Langsam wurde ihm schwarz vor Augen...
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Plötzlich schnellte Vegeta hoch! Es war dunkel und ausser seinem eigenen keuchenden Atem konnte er nichts hören. Er war schweissgebadet. Unsicher und verwirrt blickte er um sich, doch seine Augen konnten die Dunkelheit nicht durchdringen.
Es war ein Traum, dachte er und sagte sogleich laut: »Es war ein Traum. Weiter nichts!«
Immer noch schweratmend strich er sich den Schweiss von der Stirn und legte sich wieder hin. Mit geschlossenen Augen lag er nun da und wartete darauf, dass sich der Schlaf wieder einstellte. Er versuchte, nicht an den Traum zu denken. Natürlich gelang es ihm umso weniger, je mehr er es versuchte. Verwirrt und etwas zornig über sich selbst, weil ihn so ein dummer Traum so sehr aus der Fassung brachte, versuchte er sich an alles zu erinnern.
Seltsam, ich träume doch so selten und kann mich dann auch nicht an das Geträumte erinnern und nun dieser Traum, dachte er. Er war so intensiv - und real... Er öffnete seine Augen. Seufzend legte er seine Hände in den Nacken. Sein Atem hatte sich wieder beruhigt. Er starrte einige Minuten an die Decke, während sich seine Gedanken überschlugen und im Kreis drehten. So bringt das nichts, dachte er und stand mit einem Ruck auf. Ich muss mich ablenken. Er knipste das Licht an und griff nach seiner Kleidung.
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Vegeta tippte eine Zahl in den Display ein und bestätigte seine Eingabe. Es geschah nichts, doch er wusste, dass nun im Innern des Gravitationsraumes über 300G herrschten. Er ging zur Türe und griff nach der Klinke, um den Raum zu betreten, doch dann zögerte er. Er fühlte sich beobachtet. Langsam und gründlich sah er sich um. Doch ausser ihm war da niemand. Dennoch wurde er das Gefühl nicht los, dass irgendwas nicht stimmte. Er könnte sich selbst Gewissheit verschaffen, wenn er einen Aurascan durchführen würde, doch er wusste, wenn er seine Fähigkeit einsetzte, dass er Bulmas Energie - und die des ungeborenen Lebens spüren würde. Und das wollte er vermeiden. Nach diesem Traum mehr denn zuvor.
Sei nicht albern, sagte er zu sich selbst. Wo liegt denn eigentlich das Problem? Die beiden sind Dir egal und gehen dich nichts mehr an. Bulma kann machen, was sie will und ich werde das auch tun! Wenn ich also einen Aurascan machen will, tue ich es einfach...
Er seufzte und kam sich wie der letzte Idiot vor, wie er da vor der Tür stand und sich in Gedanken beruhigen musste.
»Die Erde und die Menschen sind nicht gut für einen Saiyajin.«, sagte er laut. »Ich muss weg von hier!«
Er hatte endlich einen Entschluss gefasst. Er ignorierte das Gefühl des Beobachtetwerdens und fegte seine Zweifel beiseite. Er drehte sich um und ohne weiter zu zögern, verliess er die Capsule Corporation, um sich einen neuen Ort zum Trainieren zu suchen.
